Interview mit Donato. Wenn die Person wichtiger als der Rapper ist

Wir haben vor einer Woche zum ersten Mal über Rap gesprochen. Dabei waren Donato, Dramadigs, Tua, Marteria und Prezident.

Darunter wollte ich unbedingt Donato ein paar Fragen stellen. Erstmal weil ich seine Musik täglich in meinem IPod habe und übrigens weil er irgendwie ein außergewöhnlicher Rapper ist. Ich habe durch seine Musik, sowie in diesem  Interview, den Eindruck dass bei ihm die Person wichtiger als der Rapper ist.

Hallo Donato, Wir sind ein “Italo-Berliner” Magazine. Vielleicht hört es sich banal an aber du heißt Marco Donato und dein Album “Enzo”. Wie ist deine Beziehung zu Italien? Und Warum “Enzo” ?

Ich bin quasi Viertelitaliener, weil mein Opa aus Italien stammt und nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland gekommen ist. Er hieß “Enzo”. Leider ist er recht früh gestorben, deshalb habe ich keine Erinnerungen an ihn. Er ist quasi ein Mysterium für mich. Und das Album ist eine Entdeckungsreise, deswegen heißt es “Enzo”. Weil ich dieses Mysterium ein Stück weit entdecke auf den 55 Minuten.

Wie würdest du deine Art Rap beschreiben (ohne dich in irgendwelcher Schublade einzuordnen)? Mit welcher Musik bist du aufgewachsen? Hast du Vorbilder gehabt?

Ich lege Wert auf ausdrucksstarke Texte. Die Leute sollen sich damit identifizieren können, sich hineinfühlen können in das, was ich sage. Ich erzähle gern Geschichten aus dem Leben. Oft aus dem eigenen Leben, oft auch phantasievolle, ausgedachte. Ausdruck und Emotion ist mir besonders wichtig, das will ich transportieren. Aufgewachsen bin ich mit unterschiedlicher Musik. Viel Reggae, aber auch sehr viel Pop. Auch aus Italien. Halt das Mainstreamzeug, was hier bekannt und berühmt ist: Zucchero, Eros Ramazzotti (“Musica E” ist stark!), Andrea Bocelli und sowas. Aber auch viel deutsche Musik, vor allem Herbert Grönemeyer, der in textlicher Hinsicht schon ein großes Vorbild war.

Eh eh. Die dritte Frage ist zufällig verbunden mit deiner Antwort: Du bist, meiner Meinung nach, ein außergewöhnlicher Rapper, alles von deiner Stimme, bis zu den Lyrics (oder selbst das Cover von Enzo) klingt sehr menschlich und zugänglich. Außerdem als ich “Wenn ich gehe” das erste mal gehört habe, hat es mich an Grönemeyer oder italienischen Songwriters, (mit ein paar Reimen weniger), erinnert. Ich glaube dass viele Leute die normalerweise keinen Rap hören wären von deiner Musik sehr berührt und beeindruckt. Siehst du das ähnlich ? Wie würdest du das erklären?

Diese Erfahrung mache ich oft. Leute sagen: Eigentlich mag ich gar keinen Rap, aber deine Musik mag ich sehr! Ich bin halt nicht so sehr verkopft auf diese Rapschiene. Ich mag kein Scheuklappendenken. Das ist vor allem im Hiphop unangebracht, wo es ja gerade um Vielfältigkeit geht.

Wir haben dein letztes Video präsentiert. “Enzo”. “Das wichtigste Stück Musik das ich jemals geschrieben habe”. Die meisten Songs kommen sehr privat rüber, warum ist dieses Lied das wichtigste ? Hast du lange überlegt ob du einen Teil deines privaten Lebens öffentlich machen wolltest ?

Der Song ist so wichtig, weil er mich selbst am meisten berührt. Ich habe sehr lange daran gearbeitet und jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, um am Ende wirklich Emotionen zu wecken, Bilder im Kopf hervorzurufen. Zudem hat es natürlich auch eine kleine private Note. Auch die orchestrale Musik berührt mich sehr. Der Beat war ein Geschenk zu meinem 30. Geburtstag von s.R., ich wusste, da muss ich was Besonderes erschaffen.

Flashback. Ich hab damals ein Interview von dir für “Laut gedacht” gesehen in dem du dein zweites soloAlbum “Angst” präsentiert hast, aber wo auch total ungefiltert deine schwierige Zeit und deine Probleme auf eine bewegende Art erzählt hast. Eine Rarität in diesem Rap-Game. Hast du dafür schon Kritiken bekommen z.B. Leute (Pseudo Rap-Hörer, oder andere Rapper) die versucht haben dich runter zu ziehen ?

Nein. Das ist glücklicherweise nicht passiert. Dafür hätte ich auch wenig Verständnis. Das war ja durchaus auch ein Stück Weit die Mission mit Angst: etwas aufzurütteln, darauf aufmerksam zu machen.

“Er schafft eine emotionale Atmosphäre ohne dabei schwul oder pussymäßig zu klingen.” Dieser Kommentar eines Fans über dein letztes Album wurde von dir (ironisch ??) auf Facebook gepostet. Was denkst du über Homophobie in diesem Genre ? Ist es deiner Meinung nach wichtig, Statements oder Wörter wie “no homo” oder “schwul” und so weiter zu vermeiden ? Oder gehören sie irgendwie beim Rap (wie auch Reggae, Dancehall etc) dazu ?

Ich bin niemand, der mit dem Zeigefinger durch die Gegend läuft und den Leuten erzählt, was sie sagen dürfen und was nicht. Mich hat dieser Kommentar einerseits nachdenklich gemacht, andererseits aber auch amüsiert. Insgesamt ist Homophobie sicher ein gesellschaftliches Problem, nicht nur in unserem Genre.

Ich verstehe was du meinst, aber wäre es irgendwie nicht besser gewesen wenn dieser Typ ” poppig” oder “beliebig” oder “cheap” oder was weiss ich, trotz “schwul”, benutzt hätte ?! Was bedeutet “schwul zu klingen” ?

Natürlich wäre das besser gewesen. Dann würde ich auch besser verstehen, was gemeint ist. “Schwul” wird leider schon seit Jahrzehnten als Synonym für etwas benutzt, was das Wort eigentlich nicht hergibt. Aber das ist wie gesagt eher ein gesellschaftliches Problem.

Mit welchem Künstler, auch aus der Vergangenheit, würdest du gerne zusammenarbeiten ? Mit wem in Deutschland und mit wem aus dem Ausland.

Ganz klar: Herbert Grönemeyer. Das wäre sicher der Wahnsinn schlechthin. Aber es gibt noch viele andere. Tom Smith von den Editors, Philipp Poisel, Kat Flint (Folksängerin aus den USA), oder, um mal völlig unrealistisch zu werden: Tracy Chapman… Aber das sind nur Träumereien, die ich immer ganz schnell beiseite schiebe. Thom Yorke von Radiohead wäre noch extrem krass.

Ein paar Lieder von “Enzo” wurden von dubstep (Ich bin nicht normal) und techno (König und Königin) beeinflusst. Hörst du gerne auch andere Musikgenres die mit Rap nichts zu tun haben ? Wenn ja, was würdest du uns empfehlen ? (Teilweise hast du schon darauf geantwortet)

Ich höre mittlerweile fast nur noch Sachen abseits des Raps. Schwer zu sagen, weshalb, aber ich fühle mich mittlerweile eher in anderen Genres zu Hause. Im Moment mag ich die Editors sehr gerne. Die Debütplatte von London Grammar gefällt mir, von Radiohead ist ohnehin alles super, auch wenn da im Moment nicht so viel Neues da ist. William Fitzsimmons macht schöne Folkmusik für ruhigere Stunden. SOHN gefällt mir auch. Es gibt viele gute Sachen.

Du bist in Dortmund geboren und wohnst zu der Zeit in München (Richtig?). Bist du häufig in Berlin ? Hast du eine Beziehung zu Berlin?

Richtig. In Berlin habe ich viele Freunde, ich bin gern in der Stadt. Sie ist faszinierend, sehr schnell, es ist immer was los. Von meiner Persönlichkeitsstruktur könnte ich dort aber wahrscheinlich nicht dort leben, weil mir die Stadt auf Dauer zu “Laut” ist. Ich lebe lieber ruhiger. Aber ich komme mindestens zwei-, dreimal im Jahr, um Hauptstadtluft zu schnuppern (lacht).

Eine Muss-Frage: Neue Projekte für die Zukunft? Mixtape in Free Download? Featuring mit Kollegen (oder Kollegah, sorry, das war schlecht!!)

Donato: Hehe. Nein, im Moment ist nichts geplant. Ich brauche immer etwas Abstand zwischen den einzelnen Alben. Sonst laufe ich Gefahr, mich zu wiederholen. Das will ich vermeiden. Jedes Album soll für sich alleine stehen können und eine gewisse Epoche repräsentieren.

Wir haben auf Berlino Cacio e Pepe auch Prezident, Dramadigs, Tua und Marteria präsentiert. Kennst du ihre Musik ? Kennst du sie persönlich ?

Musik klar, persönlich leider nicht. Aber ich schätze sie alle für ihre wunderbaren Sachen. Sie sind alle auf ihre Weise sehr einzigartig.

Es wäre nicht schlecht ein Dramadigs feat Donato oder  Tua feat Donato. Irgendwie passt es…?!

Naja, sagen wir mal so: Ich mach lieber mein eigenes Ding und feature ungern, weil es einfach perfekt passen muss. Aber in diesen Fällen hätte ich natürlich nichts dagegen.

Das war’s. Vielen Dank Donato, danke für deine Zeit.

Ich habe zu danken, bis bald!

simone mazzilli

Musikfresser "Yeah, Berlin, Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Außerdem schmeckt in jeder anderen Stadt der Döner sc***#*e. Don't believe the Hype und so, Ich habe über 1000 Facebook-Freunde doch bin eigentlich ganz nett" (Fatoni & E.W. - Kunst, 2013)

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