Balbina – Aus Berlin kommt die Zukunft der deutschen Popmusik. Ein Interview (VIDEO)

Ich hatte eine Vision. Als ich das Video ihrer ersten Single Seife (feat Maeckes) sah, war mir ganz klar dass sie eine der wichtigsten Künstlerinnen in der deutschen Plattenindustrie wird. Die Ausstrahlung ihrer gotischen Stimme, die Visuals die mit dem Contemporary Art flirten, die verzwickten Texte, die klingen, als hätte sie eine Ausbildung als Rapperin abgeschlossen und super catchy Melodien, die aber nie banal aufgebaut sind. Slam Poetry und Popmusik mit Geschmack und außergewöhnlichen Ideen. So sehe ich Balbina.

Ihre Nichtstun EP ist am 29. Mai erschienen. 5 Tracks die schwer zu vergessen sind, Bilder im Kopf ohne Ende in jeder einzigen Zeile jedes Liedes. Und sofort steigt die Erwartung, man ist gespannt auf ihr Debütalbum.

Oft fällt es mir sehr schwer den Italienern “die deutsche Musik”  zu erklären. Selten passiert es mir, ein Lied auf deutsch zu hören und zu denken  – ” Es ist mir wurst, dass die Leute kein Wort verstehen, sie müssen sich mit dem Lied und der Stimme,  beschäftigen”. Genau das fiel mir ein, als ich Seife zum ersten Mal gehört habe. Irgendwas in dem gesamten Paket ist anders als alles, was ich bis jetzt auf Deutsch gehört habe. Sofort habe ich das Video auf Facebook geteilt und an ein paar Freunde weitergeleitet. Die Reaktionen waren: “super krass” oder (true story)  sie können damit nichts anfangen (“Es klingt wie eine Putzmittelwerbung”).

Hast du auch ähnliches Feedback bekommen?

Ich habe nie bewusst versucht zu polarisieren, allerdings ist es häufig so, dass ich meist entweder komplett den Geschmack des Zuhörers treffe oder eben gar nicht. Vielleicht liegt das daran, dass meine Art zu Texten sich nicht der üblichen metapher bedient. Wenn ich Lieder schreibe, versuche ich kleine Stücke zu machen, die mir selbst entsprechen. Die mir selbst gefallen. Das ist dann sehr persönlich. Und so wie ein Mensch einen anderen vielleicht nicht gut leiden kann, so muss ich auch damit rechnen, dass nicht jeder einen Draht zu mir findet. Glücklicherweise habe ich bis jetzt trotzdem viele gefunden, die meine Musikstücke mögen… (lächelt)

Four Music ist ein sehr wichtiges Label in Deutschland. Als du noch Bina hießt wurdest du als “indie Künstlerin” vorgestellt. Wie kam die Zusammenarbeit zustande für die Debüt-EP als Balbina? 

Bis zum Deal mit Four, war ich nie wirklich ein Thema für die kommerzielle Plattenindustrie. Das mit Four kam dadurch Zustande, dass ich den natürlichen Wunsch hatte, meine Musik einem breiteren Publikum vorzuführen und größere Projekte zu verwirklichen. Das ist bis zu einem bestimmten Grad alleine möglich, aber man kommt an einen Punkt, wo es Schlichtweg an Geld fehlt. Mit Four hatte ich im Laufe der Zeit immer wieder Gespräche, insbesondere mit Volker Miete (General Manager von Virgin Records in Deutschland). Mir gefiel einfach, dass man dort keine Angst vor Andersartigkeit hatte. So kam es zum anderen. Und ich konnte tatsächlich einen Major Deal unterschreiben.

Wieso hast du deine Ep “Nichtstun” genannt? Hat es irgendwie zu tun mit der Zeit die du zwischen Bina und Balbina verbracht hast?

Der Song hat für mich einige Erzählebenen. Zum einen handelt er natürlich von einer Langeweile. Geht man tiefer handelt er von einer Leere. Und zwar von der Leere, die eben entsteht, wenn man sehr viel tut. Es aber keine wirkliche Bedeutung hat, man automatisiert und nichts mehr empfindet.

Ich bin ein super Rapfan. Deine Metrik, die Texte und die Wortspiele haben mehr als ein bisschen mit dieser Welt zu tun; wie ist deine Beziehung zur Rapmusik?

Ich liebe deutsche Rapmusik. Mit guten Reimen, interessanten Wort Bildern und Sprachwitz. Von Justus Jonas, Dendemann, Taktloss, Muso oder Fumanschu. Die eigentliche Textarbeit, das auf die Waage legen jedes Wortes, habe ich verinnerlicht. Und es ist zum wichtigsten Bestandteil meiner Musik geworden.

Kunst und Musik. Lady Gaga “docet”. Die Videos von “Seife” und “Nichtstun” sehen fast so aus wie eine Installation. Und noch das Zitat “Fettecke Herr Beuys, ich bereue…”. Hast du dich schon immer mit Kunst und Contemporary Art beschäftigt?

Es wäre falsch zu sagen, ich sei ein Kunst Kenner. Ich bin aber ein aufmerksamer Beobachter und wenn mir etwas ins Auge fällt, dann lass ich nicht mehr los. Erforsche es und lese darüber. Das was ich dann für mich umsetze, ist allerdings eher eine Illustration meiner Musik. So wie eine Filmmusik versucht die richtige Musik unter Bilder zu legen, so versuche ich die richtigen Bilder auf meine Lieder zu legen.

Kannst du eine/n Italienische/n Sänger/in nennen? Letzte Erinnerung an ein italienisches Lied.

Warte… ich muss überlegen. Nein ich kenne nicht viel, mir ist spontan ein Gondoliere eingefallen, der “O Sole mio” singt. Auweia, ich muss wohl was nachholen…

Mit welchem Künstler, auch aus der Vergangenheit, würdest du gerne zusammenarbeiten? Mit wem in Deutschland und mit wem aus dem Ausland.

Es gibt viele Künstler, die ich verehre, aber konkrete Zusammenarbeiten habe ich mir nie gewünscht. Einfach weil mein “Fantum” sich in stiller Bewunderung äußert.

Du kommst aus Berlin, aus welchem Viertel genau? Was bedeutet für dich diese Stadt? Spielt sie überhaupt eine Rolle in deiner Musik?

Ich komme aus Neukölln, direkt aus dem Plattenbau. Meine Ideen kommen aber von dort, wo meine Interessen liegen. Klar, hat mich meine Umwelt beeinflusst, aber ich habe mir viel Unschönes aus dieser Zeit einfach weg geschossen und durch Schönes ersetzt.

Wann erscheint dein Debütalbum? 

Das wüsste ich auch gern! (lacht) nein aber im Ernst- nächstes Frühjahr- versprochen.

Kannst du uns das Nichtstun-Video erklären? Die  Bedeutung der Glatze, viel Gold, du als kleines Mädchen. Wer ist die Bodybuilderin, die man im zweiten Teil des Videos sieht? 

Die Bodybuilderin ist Nathalie Falk. Eine sehr starke Frau, innen und außen. Zum Video: ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, wenn ich aber sage das Lied handelt von Nichts und dem etwas dagegen tun, öffnet sich vielleicht eine Tür zum Verständnis der Bilder.

Wann können wir dich auf Tour sehen? 

Auch bald. Anfang 2015 und Mitte 2015. Darf ich hoffentlich bald verraten!

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simone mazzilli

Musikfresser "Yeah, Berlin, Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Außerdem schmeckt in jeder anderen Stadt der Döner sc***#*e. Don't believe the Hype und so, Ich habe über 1000 Facebook-Freunde doch bin eigentlich ganz nett" (Fatoni & E.W. - Kunst, 2013)

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